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Wünsche und Erwartungen

Ornithologie vom

Was bedeuten Eis und Frost für die Blaumeise? Foto: Daniel Storch

Dezember. Nach einigen Nachtfrösten sind nun auch die letzten Blätter zu Boden gefallen. Hartnäckig hatten sie sich bei milden Temperaturen den ganzen Herbst an die Zweige geklammert. Kräftiger Wind hat sie mitgenommen, angehäuft, versteckt, herumgewirbelt und manche fortgetragen.

Weihnachten steht vor der Tür. Zum Jahreswechsel erwarten wir Schnee, am besten eine dicke Schicht, klare kalte Luft und Eiszapfen, na klar, Eiszapfen wären schön. Ski und Schlitten stehen bereit.

Sind das auch die Erwartungen der Tiere, die jetzt noch hier sind? Was bedeuten Frost und Eis für Mäusebussard, Gimpel und Tannenmeise? Freut sich der Feldhase darauf, durch den Schnee zu waten? Sind tiefgefrorene Hagebutten eine Delikatesse für Amsel – Mägen?

Vermutlich haben die Tiere kein Vorstellungsvermögen im menschlichen Sinne, keine Furcht vor dem was kommen mag. Der Körper stellt sich physiologisch auf die magere Jahreszeit ein. Statt Insekten werden Früchte und Körner verdaut, Federkleid und Fell werden dichter. Und dennoch bleibt es ein Überlebenskampf unter erschwerten Bedingungen. 24 Stunden unter freiem Himmel, lange Nächte, in denen die Fettreserven schrumpfen, Beutegreifer, die für wenigstens eine Mahlzeit am Tage den Druck unerbittlich erhöhen.

Nicht nur für Wintergoldhähnchen, Rotkehlchen und Blaumeise bedeutet der Winter, den wir uns vielleicht wünschen, Lebensgefahr. Sie sind darauf eingestellt und doch werden es viele nicht schaffen. Es kann Jahre dauern, bis die Verluste wieder ausgeglichen sind.

Und auch dies nur, wenn Lebensraumschwund und einhergehender Nahrungsmangel endlich wirksam gestoppt werden. Wäre das nicht etwas, was wir wirklich vom neuen Jahr erwarten sollten und an dem jeder seinen Anteil leisten könnte?

Joachim Blank

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